Renate Feyl – Die profanen Stunden des Glücks

Ann-Theres. In unserer Generation ist die Schriftstellerin Sophie von La Roche sicherlich nur bei denen bekannt und präsent, die die Literaten um Goethe und Schiller, Herder und Wieland und deren Briefwechsel gelesen haben.

Sophie von La Roche war die Großmutter der Brentanos und die erste Frau, die einen Frauenroman in Deutschland veröffentlichte.

anntheresSophie Gutermann war als junge Frau in den Dichter Christoph Martin Wieland verliebt und hatte mit ihm eine literarische Seelenverwandtschaft. Doch Wieland heiratete eine andere. Sophies Vater wollte sie nach seiner eigenen erneuten Heirat bald aus dem Haus haben. So war es für sie ein Glück, dass der angesehene Kurmainzische Hofrat Michael La Roche sich für sie interessierte. Die Ehe auf gegenseitigem Respekt und Verständnis funktionierte gut, Sophie war eine umsichtige Hausfrau und Mutter und freute sich am Aufstieg Ihres Mannes bis hin zum Kanzler im Kurtrierischen. Als die Kinder erwachsener wurden entdeckte Sophie ihre literarische Ader wieder, zunächst zaghaft – aber Wieland – mit dem sie wieder in brieflichem und persönlichen Kontakt stand, ermutigte sie und veröffentlichte auch Beiträge in seiner Zeitschrift.

Ihr Roman Die Geschichte des Fräulein von Sternheim wurde ein Erfolg und verschaffte Ihr noch mehr gesellschaftliches Ansehen, das ihrem Mann ebenso zugutekam. Dieser sah ihre Schriftstellerei aber nicht als so wichtig an, dass sie damit auch Geld verdienen sollte. Also spendete Sophie die meisten ihrer Honorare für gute Zwecke. Nie hätte sie geahnt, dass sie einmal darauf angewiesen sein könnte, damit Geld zu verdienen.

Sie lernte durch ihre Arbeit viele Schriftsteller kennen – Goethe, Schiller die als junge Männer in ihr Haus kamen und korrespondierte eifrig mit allen.
Es kommt aber auch zum Ausdruck, dass die Mutter von Goethe wohl reichlich geschwätzig war und ihr zu schaden versuchte, indem sie ihre Schreiberei geringschätzig herab redete.

Dann aber setzen die Schicksalsschläge ein. Ihr Ehemann wird als Kanzler gestürzt und versteht die Welt nicht mehr. Er zieht sich zurück, muss von der Pension eines Freundes leben, der ihm die seine abtritt und die Familie lebt in einem Haus, das ihnen der Freund zur Verfügung stellt. Sophie beginnt wieder zu schreiben sieht sich gezwungen, mit ihrem Schreiben Geld zuzuverdienen. Sie veröffentlicht mehrere Reisebeschreibungen und konzipiert eine eigene Frauenzeitschrift, da sie so die besseren Einnahmen erhofft.
Zunächst hat sie auch Erfolg und ihre Zeitschrift wird in allen Salons in Deutschland gelesen.
Auf Dauer kann sie jedoch dem persönlichen und finanziellen Druck nicht standhalten.

Dann hat ihr Mann einen Schlaganfall und sie pflegt ihn lange Zeit. Nach seinem Tode ist sie zunächst ruhelos, beginnt dann aber wieder zu schreiben. Weitere Schicksalsschläge treffen sie – doch Sophie läßt sich nicht unterkriegen.

Ein Buch, das die Zeit und die Verhältnisse recht gut darstellt und eine Frau, die unbeirrt ihren eigenen Weg geht.

Sophie von La Roche bei Wikipedia

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