Die Siegfriedsage, der Tourismus und der Nagel im Nibelungenlied

Walter. Im Zuge der Tourismuswerbung findet man die Nibelungensage nicht nur verkürzt auf großen Tafeln am Nibelungensteig angebracht. Jüngst begegenete sie mir in noch weiter verkürzter Form auch auf einer Speisekarte, auf der ein Waberlohe-Eis (mit Himbeergeist) und ein Fafnirsteak („dabei wird es dem Ritter heiß in seiner Rüstung“) angeboten wurden.

Über den Kampf mit Brunhild heißt es darin, Siegfried habe sie mit Hilfe einer Tarnkappe besiegt. Unerklärlich bleibt dem Leser dabei, dass sie danach Gunther zum Mann nimmt, obwohl sie geschworen hat, nur den zu heiraten, der sie besiegen kann. Denn von der Vortäuschung eines Kampfes mit Gunther ist mit keinem Wort die Rede.

Mancher Leser will dann vielleicht wissen, „wie es wirklich war“. Angebote dafür gibt es genug.
So berichtet im mittelalterlichen Nibelungenlied Gunther seinem Schwager Siegfried über seine Hochzeitsnacht, Brunhild sei ein Teufel und habe ihn an einen Nagel an die Wand gehängt. („ich han láster unde schaden,/ want ich hán den übeln tiuvel heim zu hûse geladen./ do ich si wânde minnen vil sêre si mich bant./ si truoc mich zeinem nagele und hie mich hôhe an die want.“ (Strophe 649)

In der Edda, in der Thidreksaga, in ungezählten Nacherzählungen der Sage, z.B. im Volksbuch vom gehörnten Siegfried), dann bei Hebbel und schließlich in Wagners Ring des Nibelungen  liest man freilich immer wieder anderes.

Haben Sie vielleicht Lust, die verschiedenen Gestaltungen der Sage zu vergleichen?

Walter hat diesen Beitrag zuerst in seinem Blog Weites Feld veröffentlicht.

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