Sita’s Krimi-Serie Japan. Teil 2: Laura Joh Rowland und Sujata Massey

Sita hat sich intensiv mit japanischen Kriminalromanen beschäftigt. Ihre Krimi-Serie Japan – Teil 1 haben wir im April 2011 vorgestellt. 

Nach kurzer schwerer Krankheit ist Sita (Astrid Fricke) am 01.Mai 2011 gestorben. Mit Genehmigung ihres Mannes veröffentlichen wir jetzt den zweiten Teil ihrer japanischen Krimi-Serie. Wir lernen hier Leben und Werk von zwei japanischen Autorinnen kennen. 

(A) Laura Joh Rowland schreibt historische Krimis mit dem Samurai Sano Ichiro als Ermittler. Die Romane spielen im 17. Jahrhundert während der Genroku-Ära in Edo, dem heutigen Tokio. 

Die Autorin wurde 1954 als Enkelin koreanischer und chinesischer Einwanderer in Michigan geboren, wo sie auch aufwuchs. Sie studierte Mikrobiologie und arbeitete als Chemikerin, Biologin und Qualitätsingenieurin, unter anderem auch beim Bau des Space Shuttle. Ihre ersten beiden Bücher wurden nie veröffentlicht; sie entdeckte jedoch, dass ihr das Schreiben liegt und begann mit ihrer Krimi-Reihe.

Obwohl diese in die fernere Vergangenheit Japans entführen, handelt es sich um moderne Krimis, BLT-Taschenbücher in ansprechendem Format mit aufwändig gestalteten historisierenden Einband-Illustrationen. Sie kosten jeweils weniger als 10 Euro, sind somit preiswert. Aber die Zeiten, wo man Restexemplare für einen „Appel und ein Ei“ bekam und beispielsweise ein „James-Melville“ (Die Todeszeremonie) für 1,99 DM zu haben war, sind endgültig dahin…

Laura Joh Rowland lebt mit ihrem Ehemann und ihren drei Katzen in New Orleans. (Quelle: Krimi-Couch.de)

Sano Ichiros erster Fall Der Kirschblütenmord  (Titel der amerikanischen Originalausgabe von 1994 „Shinju“, 1. deutsche Auflage – Übersetzung von Wolfgang Neuhaus – 1999) wurde sogleich als „literarisches Glanzstück“ (Robert Harris) und als „Meisterwerk aus der Zeit des mittelalterlichen Japans“ (NDR) bezeichnet. Sano Ichiro soll einen vermeintlichen „shinju“, einen Doppelselbstmord aus unglücklicher Liebe, aufklären, aber im Laufe der Ermitttlungen stellt sich heraus, dass der Fall viel komplizierter ist als zunächst angenommen. Anzumerken ist, dass auch bei diesem Ermittler dessen tatkräftige und gewitzte Ehefrau Reiko in allen Bänden eine wichtige Rolle spielt.

„Darauf einen Reisschnaps“, schlägt Jörg Kimanski vor, der für die Krimi-Couch eine lesenswerte Rezension des Romans geschrieben hat:

Wer Romane mit fernöstlichem Flair mag, kommt an Laura Joh Rowland nicht vorbei. Inzwischen sind 14 Bände dieser Reihe erschienen. Besonders empfehlenswert ist Band 12, Die Geister des Mondes, vgl. dazu Krimi-Couch.de.  Auch Der Brief des Feindes, Sano Ichiros neunter Fall, ist lesenswert, siehe Krimi-Couch.de

(B) Und damit komme ich auf Sujata Massey zu sprechen, eine jüngere Autorin, deren Romane ebenfalls meist in Japan spielen, aber auch einen starken Bezug zu Amerika aufweisen. 

„Sujata Massey wurde 1964 als Tochter eines Deutschen und einer Inderin im englischen Sussex geboren. Im Alter von fünf Jahren nahmen sie ihre Eltern mit nach Amerika – genauer: nach Pennsylvania, Kalifornien und Minnesota. Allerdings kehrte sie so oft wieder zurück nach Europa, dass »ich mich nie amerikanisch gefühlt hatte«. Nach dem Abschluss an der Universität in Baltimore arbeitete sie dort als Journalistin. 1991 zog es die Kosmopolitin nach Japan. Im Land der aufgehenden Sonne lehrte Sujata Massey Englisch und lernte gleichzeitig das Japanische. Sie blieb dort allerdings nur zwei Jahre. Zeit genug, um dort ihren ersten Krimi Die Tote im Badehaus zu beginnen. Er wurde direkt mit dem Agatha-Award für das beste Krimi-Debut ausgezeichnet. Und Sujata Massey machte schließlich daraus die Rei-Shimura-Reihe, die Erlebnisse einer Englischlehrerin in Japan – mit durchaus autobiographischen Zügen.“ (aus Krimi-Couch)

In der Reihe sind bisher 10 Bücher erschienen. Zuletzt erschien in der Reihe der Roman Brennender Hibiskus (Deutsche Ausgabe 2008 übersetzt von Sonja Hauser; die englische Originalausgabe erschien unter dem Titel Shimura Trouble ebenfalls 2008), auf den ich etwas näher eingehen möchte. Diesmal ermittelt Rei Shimura unter den Nachfahren der ehemaligen japanischen Plantagenarbeiter auf Hawai. Die junge Frau sieht sich genötigt, zusammen mit ihrem schwer kranken Vater, einem Psychiater, auf die ferne Insel aufzubrechen, um ein Familienrätsel lösen zu helfen, das sich zu einem gefährlichen Abenteuer entwickelt. Die Heldin muss den Überblick behalten und sämtliche Register ziehen, um nicht im Chaos unterzugehen. Meisterhaft, wie es der Autorin gelingt, bereits auf den ersten Seiten eine größere Reihe zum Teil zwielichtiger und rätselhafter Personen vorzustellen, ohne dass der Leser dabei den Überblick verliert. Die Genauigkeit der Schilderung erlaubt es, sich sämtliche Details vorzustellen, seien es Landschaften, geschichtliche Ereignisse, auf die Bezug genommen wird oder – Kochrezepte. In diesem Krimi darf  bzw. muss Rei Shimura nämlich öfter ihre Kochkünste unter Beweis stellen und die Wiedergabe der Rezepte könnte sogar Ungeübte zum Nachkochen bewegen, wären die Zutaten nicht gar so exotisch. („Spinat  dreimal waschen, dann zum Trocknen in ein Tuch einschlagen….“) Mehr zum Romaninhalt findet sich hier auf der Krimi-Couch

Zwar läuft die Handlung in Sujata Massey Romanen (fast) in der Gegenwart ab, im Mittelpunkt stehen aber oft exotische Sujets mit langer Geschichte, welche als typisch japanisch gelten. So werden in Der Brautkimono Besonderheiten des japanischen Kimonos thematisiert oder in Tödliche Manga Variationen künstlerisch gestalteter gezeichneter Serien, sogenannter Mangas, dem neugierigen Leser näher gebracht.

Auch hier taucht neben der ledigen Heldin in (fast) allen Romanen derselbe Liebhaber auf. Im Gegensatz zu den klassischen, oft glücklich verheirateten männlichen Detektiven in klassischen Krimi-Serien Serien bringt es die junge Halbjapanerin Rei Shimura nämlich lange nicht fertig, sich endgültig zu binden und die spannende Frage, ob sie sich mit ihrem Hugh zusammenraufen wird, bleibt über mehrere Bücher hinweg offen. (Später „entlobt“ sie sich und ein neuer interessanter Mann „Michael“ taucht in ihrem Leben auf. Wie sich diese Beziehung in Brennender Hibiskus entwickelt, soll hier allerdings nicht verraten werden.) Auch die in Amerika lebende Familie der forschen jungen Dame wird ausführlich in den Romanen dargestellt. Damit wird sicher auch eine jüngere weibliche Leserschaft angesprochen.

 

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Sita’s Beiträge in unserem Blog „bücher“

Boris Pasternak: Doktor Shiwago

Colin Cotterill: Dr. Siri und seine Toten

Sita’s Krimiserie Japan. Teil 1: James Melville

Sita’s Krimiserie Japan. Teil 2: Laura Joh Rowland und Sujata Massey

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Um zu beschreiben, wie Sita war und wie wir an sie denken, sind die Profilangaben in Sita’s posterous wunderbar geeignet:
“That`s my world: I am a lover of fiction, fantasy and crime stories from the (Far) East as well as from the West, music (Belcanto operas), nature, cooking.
I am interested in how people interact in daily life and believe that it is better to have own imperfect ideas than to copy others.”

update 04.2013 den Blogbetreiber Posterous gibt es nicht mehr

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