Anonymus: Das Buch ohne Namen

Cam. Dies ist – nun ja – keine Buchempfehlung im eigentlichen Sinn, denn wirklich empfehlen kann ich „Das Buch ohne Namen“ nicht.
Bei Filmen wird von Popcornkino gesprochen, wenn ein Film auch ohne Substanz zumindest gut unterhält. Bei diesem Buch verhält es sich ähnlich, Popcornlektüre, sozusagen.

Die Handlung ist nicht besonders originell: zwei Mönche müssen verhindern, dass der Obergangster der Stadt Santa Mondega das Auge des Mondes, einen blauen Schmuckstein in die Hände bekommt, bevor es am Tag des Mondfestes zur in diesem Ort sehr häufig auftretenden Mondfinsternis kommt.
Natürlich sind die beiden Naivlinge nicht die einzigen, die hinter dem Stein her sind, auch wenn zunächst keiner der zahlreichen Protagonisten genau weiß, was es damit auf sich hat. Gleichzeitig entsendet das FBI einen Agenten in die Stadt, der zusammen mit der lokalen Polizei die vielen mysteriösen Todesfälle der letzten Jahre aufklären soll.

Es fließt viel Blut, es sterben haufenweise Leute und das Ende bleibt wie bei jedem guten Horrorfilm offen. Dies ist kein Stephen King. Anonymus ist vermutlich jemand, der einfach mal beschlossen hat, ein Buch zu schreiben und als Schriftsteller nicht besonders viel Talent aufweist.
Hier werden viele unausgegorene, aufgewärmte Ideen zu einem kruden Mix aus Guy Ritchie-Filmen und Akte X püriert, der zwar zunächst, weil so eigentlich in Buchform kaum üblich, spannend und neu wirkt, aber doch recht rasch langweilt, weil der Spannungsbogen nicht aufrecht gehalten wird. Am Anfang endet jedes der recht kurzen Kapitel noch mit einem Cliffhanger und es gibt viele Referenzen an die moderne Popkultur, doch dann gehen Anonymus die Ideen aus und die Auflösung der mysteriösen Geschichte ist dann doch eher ein Rohrkrepierer.
Bei diesem Buch geht es mir, wie bei den Horrorfilmen, die ich so gerne sehe. Es ist eine Art Hassliebe und in den meisten modernen Horrofilmen werden meine Erwartungen an wohlige Spannung und Blut gefrierenden Grusel durch billige Spezialeffekte und unnötig lächerliche Blutbäder enttäuscht.

So liefert dieses namenlose Buch letztendlich nur billigen thrill und wenig Erinnerungs- oder gar Denkwürdiges. Lesen auf eigene Gefahr.

Nachtrag: Auf Amazon sehe ich gerade, es gibt zwei Fortsetzungen. Oh, nein, meine Neugier ist geweckt. Ob das gut endet…

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2 Gedanken zu „Anonymus: Das Buch ohne Namen

  1. Die Fortsetzungen heißen „Das Buch ohne Staben“ und „Das Buch ohne Gnade“. Beim Buch ohne Staben ist ein mini-Video dabei, Bourbon Kid im Elvis-Kostüm, und er teilt potentiellen Lesern mit: Mut und Dummheit liegen manchmal sehr nah beieinander. Im Hintergrund höre ich Spanisch. Ob Anonymus spanische Wurzeln hat? jedenfalls habe ich selten eine solch kontroverse Diskussion erlebt von abgedreht bis entsetzlich spannend, Freakshow, geistiges Schneckentempo und Deine Einschätzung „Popcornlektüre“, das reizt ja geradezu mal reinzuschauen.

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  2. re: spanische Musik – der Schauplatz des Buches liegt wohl in der Nähe der mexikanischen Grenze, einige der Charaktere haben auch spanische Namen, wie z.B. Sanchez, der Barmann

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