Sita’s Krimiserie Japan.Teil 1: James Melville

Sita stellt uns die Krimi-Serie um Superintendent Tetsuo Otani und seinen Assistenten Jiro Kimura vor.


Der Brite James Melville (eigentlich Roy Peter Martin, geb. 1931 in London) lebte zehn Jahre als Kulturattaché in Japan. Seine Erfahrungen verwertete er für eine Krimi-Serie über die Arbeit eines japanischen Polizeireviers in Hyogo/ Kobe, unweit der Stadt Osaka. Seine Romane vermitteln einen genauen Einblick in japanische Kultur. Sie spielen in Kyoto, Kobe, Osaka und einmal sogar fern der japanischen Heimat, in London. Aus diesem Grunde bildet die packend geschriebene Reihe eine meiner Lieblings-Krimi-Serien und ich freue mich, wenn mein Blick auf die acht Taschenbücher in meinem Regal fällt.

Melville verfasste die Romane ab etwa 1979 bis in die 80-er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Sie erschienen zunächst als Ullstein Krimis, eine Reihe, die später aufgegeben wurde. In öffentlichen Büchereien sind sie sicher hier und da entleihbar, und auch in Antiquariaten erhältlich.

Im Roman Sayonara für eine Sängerinfallen mehrere Mordopfer dem Gift des japanischen Kugelfischs Fugu zum Opfer. In Die Todeszeremonie wird der Leser mit dem würdigen alten Großmeister Minamikuni vertraut gemacht, der während der heiligen Teezeremonie an Neujahr von einem Scharfschützen erschossen wird. Schließlich führt der Weg im Lohn des Zen in den buddhistischen Tempel Chisho-ji unweit der Stadt Kobe, in dem sich ein paar ausländische Zen-Schüler eingenistet haben. Fuchsgeister, die es nicht nur in der japanischen sondern auch in der chinesischen Mythologie seit altersher gibt, treiben angeblich ihr Unwesen in Ein Haiku für Hanae, in dem Otani zusammen mit seinem pfiffigen Assistenten den Mord an einem amerikanischen Mormonen-Missionar aufklären soll. Ins Japan der Nachkriegsjahre wird der Leser in Chrysantheme und Schwert entführt. Dabei handelt es sich um „Melvilles ersten politischen Spannungsroman, einen faszinierenden Thriller aus zwei Welten: dem modernen und dem kaiserlich-militaristischen Japan der dreißiger Jahre des vorigen Jahrhundert“ (Klappentext). Einen wieder ganz anderen Eindruck in ein uns unbekanntes Japan liefert Das neunte Netsuke, da es nicht nur einen Einblick in das moderne Liebeshotel „Fantasia“ gewährt, sondern mit der erotischen Bedeutung kleiner antiker Elfenbeinschnitzereien bekannt macht, sogenannter „Netsukes“, winziger Statuen unbekleideter nackter Frauen von etwa fünf Zentimenter Länge. Und diese Aufzählung der Otani-Krimis ist unvollständig, eine Zusammenstellung findet man bei der Krimi-Couch.de.

Die Schilderung der für uns fremdartigen Aspekte des japanischen Alltagslebens, das Zusammentreffen verschiedener Nationen, detailreiche Informationen über japanische Kultur – das alles ist faszinierend. Aber auch abgesehen davon weisen die Romane reizvolle und genretypische Besonderheiten auf. So finden wir in dieser wie bekanntlich auch in vielen anderen Krimiserien in allen Büchern uns bereits vertraute Orte vor. Hier ist es beispielsweise das etwas absonderlich eingerichtete Büro des Superintendenten, in dem er sich allerdings nur selten aufhält: Linoleumboden, Ölbild mit röhrendem Hirsch an der Wand. Oder aber wir begeben uns in das immer gleiche traditionell japanische häusliche Ambiente Otanis, in dem er sich, an einem niedrigen Tisch sitzend, im Winter mit beheiztem Kohlebecken unter demselben, mit seiner treuen und für eine Japanerin offenbar reizvoll üppigen Ehefrau Hanae berät, der übrigens in einem Krimi Ein Haiku für Hanae eine tragende Rolle zufällt (siehe oben). Spaß macht auch die stets wiederkehrende literarische Begegnung mit Otanis Assistenten Jiro Kimura, Schwarm der Damenwelt, der ständig nicht immer erfolgreiche Versuche unternimmt, einen westlich modernen Typ zu repräsentieren und der dadurch einen witzigen Gegensatz zu dem eher steifen, wenn auch brillanten Ermittler Otani darstellt.

Durch Melvilles Romane lernte ich die japanische Stadt Kobe vor dem großen Erdbeben 1995 kennen und lieben. Gerade jetzt, wo verheerende Katastrophen über Japan (Erdbeben, Tsunami, Atom-Reaktor-Unfälle) hereingebrochen sind, bleibt mir zu wünschen, dass der eine oder andere Leser die Mühe nicht scheut, sich einen der zauberhaften Melville-Japan-Krimis zu beschaffen, um sich mit japanischer Moderne, aber auch alter Kultur und Tradition dieses Landes auseinanderzusetzen.

Mit freundlicher Genehmigung von Sita.

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