Saids Geschichte oder Der Schatz in der Wüste

Walter. „Er verabschiedete sich von Abu-el-Rih. „Danke“, sagte er, „für deine Hilfe und klugen Ratschläge! Leb wohl, und wenn du den Zaubergott Thot triffst, dann sag ihm, er soll Bastet, die Katze, von mir grüßen oder Ni-Ni!“ (S.260)


Frohgemut verabschiedet sich Said von dem heiligen Ibis, denn er muss nur noch einen Baum in einer Wüste finden, unter dem gelegentlich ein alter Strauß schläft, der ihm weiterhelfen kann.

Am Anfang des Buches von Sigrid Heuck  erschien es mir reichlich unstimmig, dass im 20. Jahrhundert ein armer Webersohn vom Niger einen Schatz in der Wüste suchen wollte, der ihn reich machen würde. Was wusste er schon von Wüsten.
Doch „Saids Geschichte“  wird Abouli erzählt, einem Jungen, der mit einer Karawane durch die Wüste reitet, deshalb knüpft sie an seiner Erlebniswelt an. Der Erzähler fordert den Jungen sogar ausdrücklich auf, ihm Sachen, die er in der Wüste findet, zu bringen, weil er sie für die Fortsetzung seiner Geschichte brauche.
Dieser Erzähler, der als Fremder gastfreundlich in der Karawane aufgenommen worden ist, tut noch mehr. Er erklärt am Vergleich mit dem Weben auch, worauf es beim Erzählen ganz allgemein ankommt.

Und spätestens, als Said zum Chamäleon wurde, glaubte auch ich, dass er den Dolch des Mahdi, die Kette der Königin von Saaba, einen fliegenden Teppich und anderes bekommen würde, einfach deshalb, weil sie in die Geschichte gehörten.
Dabei ist in diesem Roman von Sigrid Heuck nicht einfach alles möglich, sie ist nicht nur phantastisch. Zu konkret sind die Armut im Maghreb und der Alkoholschmuggel im Jemen. Aber möglich ist in diesem Roman, was vorbereitet ist. Und das ist auch das überraschende Ende: der schwarze Spiegel, der Reichtum bringt.

Doch anders als in der „Unendlichen Geschichte“ von  Michael Ende  ist nicht alles symbolhaft allegorisch in dieser Erzählung. Abouli, dem jungen Kamelreiter, kommt das Ende des Wüstenritts trotz der überstandenen Todesgefahr irgendwie zu früh, weil er fürchtet, das Ende der Geschichte nicht mehr zu erfahren. Als Leser fühlt man sich da in einer stärkeren Position, weil man gewiss ist, es noch vor dem zweiten Buchdeckel zu finden.
Und da fand ich: „Ist eine Geschichte nicht immer ein Stück Leben? Und ist das Leben nicht immer eine Geschichte? Ich habe nur alles, was mir so geschah, neu zusammengesetzt und dabei …“

Ich finde, es ist keine falsche Verwendung des Lebens, wenn man ein paar Stunden davon diese Geschichte  hineinlässt.

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3 Gedanken zu „Saids Geschichte oder Der Schatz in der Wüste

  1. Irgendwie finde ich es schön, dass unser Bücherblog so unterschiedliche Bücher vorstellt und nicht die Hitlisten der Verleger… Da passt die Buchbesprechung von Walter wieder gut hinein – ist etwas Besonderes. Ich liebe geheimnisvolle Geschichten. Also werde ich sehen, dass ich dieses Buch auch ergattere.Anntherres

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  2. Habe gerade angefangen dieses märchenhafte Buch zu lesen:Faszinierend die Beschreibung der Karawane mit ihren unterschiedlichen Charakteren, das Leben während der Reise und besonders der dazugestoßene Geschichtenerzähler, der seine Geschichten durch seine Zuhörer weiterentwickeln läßt, indem er sie mit einbezieht.Mal sehen, wie es weitergeht…;-))

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