Jelinek und Schlingensief

Ursel. Der Jelinek / Schlingensief / Blog vom Elfriede Jelinek-Forschungszentrum an der Universität Wien fiel mir auf, weil ich mich für Christof Schlingensief und Elfriede Jelinek interessiere. Beide polarisieren, sie wollen die Menschen aufrütteln, sie sind schwierig und bescheren manchmal kräftige Verständnisprobleme.

Mit Elfriede Jelineks Online-Privat-Roman „Neid“ habe ich mich vor 3 Jahren in einer Leserunde beschäftigt und erinnere mich an eine sehr interessante und kontroverse Lektüre, nachzulesen in dieser Forumsdiskussion . Unser Plan war damals, nur das erste von 5 Kapiteln durchzuarbeiten. Beim jetzigen Nachlesen im Forum bin ich überrascht, wie intensiv diskutiert wurde, teilweise wurde die Sprache als schockierend bezeichnet, man empfand die Autorin als zu negativ und war u.a. der Meinung, dass Ältere das anders lesen als Jüngere.

Zum Inhalt des Romans hatte ich gepostet: „Bisher habe ich gelesen von: Fremdenverkehr, Ski, Loipen, Bergbau, Arbeitslosigkeit, von Musik, vom Substandard D, vom Selbstmord eines Milliardärs, Firmennamen, und einem Wurmloch. Ihre Sprache packt mich oft mit ihrer Formulierungskraft, Wortspielereien wie Baugefälligkeiten und Baufälligkeit, Umwegsrentabilitätsgeschäfte der eurofighter, die Kultur als Triumphbogen des Fernsehens.“


 Interessanter Aspekt für mich war die Intention Jelineks, diesen Roman quasi selbst zu verlegen als Online-Produkt. Eine grandiose Idee, wie ich finde, alle Rechte liegen bei der Autorin und sie kann ihn sogar wieder aus der Welt nehmen, was bisher gottseidank nicht geschehen ist. Sie will ihn auch nicht ausgedruckt haben und sie nennt ihn Privatroman, den sie im Computer deponiert hat. Privatisierung der Literatur?

Dem Menschen Jelinek kann man sich leicht annähern über Interviews und Videos, ihr Auftreten dort ist keineswegs spektakulär oder provozierend. Ein sehr hilfreiches Buch-Porträt, das Leben, Werk und Wirkung von Elfriede Jelinek darstellt haben Verena Mayer und Roland Koberg geschrieben: elfriede jelinek. Ein Porträt. Rowohlt Taschenbuch Verlag 2007.

Unentbehrlich zum Erforschen, Verstehen und zur Rezeption der Werke von Elfriede Jelinek ist das gut gemachte Portal Jelinetz, ebenfalls vom Elfriede Jelinek-Forschungszentrum. Es hat meine „Neid“-Lektüre begleitet und sehr erleichtert. Dass unsere kleine Leserundendiskussion dort erwähnt wurde, hat uns mit nicht geringem Stolz erfüllt.

Über Christof Schlingensief werde ich mich jetzt im hier vorgestellten Blog informieren, über sein Lebenswerk weiß ich nicht sehr viel.

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2 Gedanken zu „Jelinek und Schlingensief

  1. Was ich bisher von Elfriede Jellinek gelesen habe, hat mich durchweg abgeschreckt. Eure Forumsdiskussion hat mein Interesse wieder geweckt und war insofern bei mir wirkungsvoller als der Nobelpreis.Der online-Text erschien danach interessant. Aber obwohl ich täglich zig Seiten im Internet lese, den Text müsste ich mir schon ausdrucken, um ihn beurteilen zu können.Danke für die Hinweise!

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  2. Du hast recht mit dem Ausdrucken, um so mehr, als man sich dann den Text erarbeiten kann mit Randnotizen und vielen Fragezeichen. Das fand ich sogar hilfreich. Vieles – aber bei weitem nicht alles – habe ich erst mit Hilfe des Portals Jelinetz verstanden, hier der Link zu Inhalte von A-Zhttp://merky.de/nvctaaInteressant fand ich dort die Beiträge über Intertextualität in literarischer Sicht, weniger in musikalischen oder politischen Bezügen. Was mir oft gefallen hat, waren Interviews mit ihr und Videos, und wie ehrlich sie über sich selbst spricht. Ich finde, sie ist eine Autorin, deren Wirkung von Leben und Werk in Kombination ausgeht. Man kann nicht einfach sagen, das Werk soll für sich sprechen, die Privatheit des Schriftstellers hat nichts damit zu schaffen.

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