Ein Buch, das Walter verteidigen möchte

Walter. „Grass ist nicht interessiert, die Wahrheit zu erfahren.“ „perfider Fehler“, ungeheure Infamie“ hieß es in Reich-Ranickis „Literarischem Quartett“. Und über Grass‘ Wünsche an literarische Kritik meinte Ranicki: „Das hat Goebbels auch gewollt.“
Solche Kritik am Werk eines der anerkanntesten deutschen Schriftsteller macht neugierig.

Es enthält die Lebensgeschichte Fontanes gespiegelt in einem erfundenen 100 Jahre später geborenen Doppelgänger, der die DDR erleidet und nach ihrem Zusammenbruch in der Treuhandanstalt arbeitet. Begleitet wird er fast stets von seinem „Tag- und Nachtschatten“ Hoftaller (nach Schädlichs Tallhover).

Das Buch hat auch aus meiner Sicht seine Schwächen und Längen. Dass die Figuren darin nicht leben, ist keine ganz unzutreffende Kritik. Doch nicht nur im Uwe-Johnson-Kapitel, auf das Reich-Ranicki selbst verweist, sondern spätestens mit dem Auftritt der unehelichen Enkelin des Helden ist diese Kritik ganz gewiss eindeutig widerlegt.
Wie diese französische Madeleine mit „Fonty“/Fontane/Theo Wuttke zusammen „Gideon ist besser als Botho“ ruft, das wirkt lebendig, auch wenn es eindeutig als Hommage an Fontane gedacht ist. Ist dieser Schluss von „Irrungen Wirrungen“ doch von der Aussagekraft Schillerscher Dramenschlüsse.
Gleichzeitig klingt aber auch das wehmütige „Ich denke dran … ich danke dir mein Leben“ aus dem Feldspaziergang von Botho, Lene und Frau Dörr (am Schluss des 9. Kapitels) an. Doch so munter es gerufen wird, enthält es ja doch eine herbe Kritik am Leben des informellen Mitarbeiters Theo Wuttke. (Da dieser mit Fontane nahezu gleichgesetzt wird, empört die Kritiker natürlich die Rechtfertigung des IM-Daseins, die darin indirekt enthalten ist.)
Der Titel des Buches:  „Ein weites Feld“, 1995

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