Shamim Sarif – Die verborgene Welt

Cam. Nachdem ich den leider nur als Original mit Untertitel verfügbaren Film „The World Unseen“ gesehen hatte, musste ich unbedingt die literarische Vorlage lesen und habe es nicht bereut. 300 Seiten habe ich selten so schnell verschlungen.

Der Roman entführt den Leser in die Welt der indischen Bevölkerung Südafrikas zu Beginn der 1950er Jahre. Eine Welt der Apartheid aber noch viel mehr eine Welt indischer Traditionen und Konventionen. Eine Welt also in der nicht nur Rassentrennung herrscht, sondern auch die Kluft zwischen Mann und Frau unüberwindbar scheint.

In fast poetischer Sprache schildert die Autorin das einfache und entbehrungsreiche Leben der indischen Südafrikaner muslimischen Glaubens.

Amina – eine der beiden Protagonistinnen – ist es gelungen den indischen Konventionen zu entfliehen, sie ist mit Anfang Zwanzig noch unverheiratet, arbeitet, trägt Hosen und lebt allein. Zu verdanken hat sie dies zum einen ihrem Vater, der lieber seine Ruhe hat und seine Tochter gewähren lässt und zum anderen ihrer Großmutter, die ihr beständig eingetrichtert hat, sich nie von einem Mann abhängig zu machen.

Miriam hingegen ist Hausfrau und Mutter, die bis hin zur Selbstaufgabe ihrem Mann und seiner Familie dient, wie es die Tradition verlangt.

Erst als Miriam Amina begegnet und von dieser als denkendes und fühlendes Wesen behandelt wird, beginnt Miriam ihr Schicksal zu hinterfragen.

Sarif gelingt es in ihrem Erstlingswerk ernste Themen immer wieder durch humorvolle Schilderungen und schrullige Charaktere zu durchbrechen. Die Apartheid ist auf jeder Seite spürbar, fühlbar, erlebbar. Sie hängt wie ein Damoklesschwert über allen Beteiligten. Es gibt Opfer, Mitläufer und Täter, aber auch couragiertes Eintreten gegen die Rassentrennung. Im Vordergrund steht aber die Unterdrückung, die Miriam in ihrer Ehe erfährt, die sie aber erst nach und nach auch als solche erkennt und dagegen aufbegehrt.

Eine Lektüre die durch die Variation altbekannter Themen wie Freiheit, Selbstbestimmung, Selbstverwirklichung, Integrität zum Nachdenken anregt und noch lange nachklingt.

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2 Gedanken zu „Shamim Sarif – Die verborgene Welt

  1. Das ist nicht immer so, dass Buch und Film beide gut gefallen. Jetzt haben wir bereits zweimal die tags „Südafrika“ und „Apartheit“. Aber aus unterschiedlichen Richtungen. Deine Buchvorstellung hat mich neugierig gemacht, ich werde versuchen, das Buch aufzutreiben und es dann lesen!

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  2. Die Adaption ist unter anderem deswegen so gut gelungen, weil Sarif nicht nur das Drehbuch selbst geschrieben, sondern auch noch Regie geführt hat. Ebenso hat sie es auch mit ihrem zweiten Roman „I can’t think straight“ getan, einer Komödie mit autobiographischen Zügen. Buch und Film sind leider nur im englischen Original verfügbar.

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