Kap meiner Hoffnung

Walter. Das Buch, das ich vorstellen möchte, ist fesselnd geschrieben und durchweg eine mitreißende Lektüre. Ich weiß aber nicht, ob ich mich so angestoßen fühlte, es vorzustellen, wenn es nicht von so einem wichtigen Thema handeln würde,


der Apartheid in Südafrika, ihrer Überwindung und den vielfältigen Schwierigkeiten – vor allem Aids, mit denen sich die Bewohner Südafrikas nach jahrzehntelangem Freiheitskampf auseinandersetzen müssen.

Und doch ist vielleicht das Bemerkenswerteste an diesem Buch die Verfasserin, Irina André-Lang, und die Energie, mit der sie ihre Ziele verfolgt.
Ihr Mann bekommt einen Hirntumor und verändert dabei seine Persönlichkeit so weit, dass er sie zurückweist. Sie muss also mit einem doppelten Verlust fertig werden, sie verliert nicht nur ihren Mann, sondern auch seine Liebe.
Danach geht sie als Kinderärztin nach Südafrika und lässt sich allen Schwierigkeiten, die dazu führen, dass sie immer wieder das Krankenhaus wechseln muss, zum Trotz immer wieder auf die harte Arbeit eines im Grunde aussichtslosen Kampfes gegen Seuchen, Unkenntnis und Armut ein.
Dann bekommt sie Krebs, ihr recht wohlhabender Freund ermöglicht ihr eine erfolgreiche Behandlung und Rehabilitation, ein angenehmes Leben mit einem geliebten Mann liegt vor ihr, und sie entschließt sich, alle Kraft darein zu setzen, jetzt, wo sie nicht mehr als Ärztin arbeiten kann, die Krankenhäuser nicht mehr von innen, sondern durch Hilfen von außen zu verbessern.

Übertreibt sie nicht, hat sie nicht ihr Bild geschönt? So habe ich mich bei der Lektüre wiederholt gefragt. Doch kenne ich eine Frau, die seit Jahrzehnten mit ihr befreundet ist und die mir versichert: Ja, diese Frau ist wirklich so.

Was verwundert mich so an der Autorin?
Es gelingt ihr, die heutige Situation offen und schonungslos zu beschreiben, die katastrophalen Folgen der Verkennung der Gefahren durch Aids in aller Deutlichkeit darzustellen und dennoch die Überwindung der Apartheid als den großen Schritt zu Hoffnung, Entwicklung und Glück zu zeigen.
Aber es ist kein Gesellschaftsgemälde, sondern durch und durch ihre Geschichte. Am Anfang steht ein Mädchen, das gern Puppen verarztet, es folgt eine Frau, die ihren Mann verliert, aber in ihrem Beruf und ihrem Engagement gegen die Apartheid in Südafrika neuen Sinn findet. Stoff genug für ein Buch, sollte man meinen.
Es folgt aber die Weiße, die sich in Südafrika immer wieder über die Rassentrennung hinwegsetzt. Dann die Kämpferin gegen Apartheid, dann die Ärztin, die der Cholera ihre Opfer entreißt und dann vor dem übermächtigen Aids und den Lebensgewohnheiten der Afrikaner, die es fördern, der Regierung, die es ableugnet, kaptulieren muss. Doch die Todkranke findet Mut und Kraft, Aids auf neuen Wegen zu bekämpfen.All das wird zwar durchweg aus der Ich-Perspektive dargestellt – dadurch kann man sich völlig mit ihr identifizieren – aber andererseits wird deutlich herausgestellt, dass der Text von einem von außen hinzutretenden Journalisten formuliert worden ist. So bleibt die Unmittelbarkeit erhalten, und andererseits weiß man, dass jemand diese Berichte geprüft und für überzeugend gehalten hat.
Wer  Irina André-Lang persönlich kennen lernen möchte: Auf der Seite Ihres Verlages sind die Stationen angegeben, an denen sie ihr Buch auf einer Lesereise durch Deutschland darstellt.  Vorläufig stehen dort nur ihre Stationen vom September, sie wird ihren Weg aber auch im Oktober noch fortsetzen.
Einen sehr guten Einblick bietet ein hörenswertes Gespräch mit der Autorin innerhalb der Sendereihe „Eins zu Eins. Der Talk“ bei br-online.
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4 Gedanken zu „Kap meiner Hoffnung

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