Frank Schätzing – Limit – von Cam

Cam. Limit ist nach Der Schwarm Schätzings zweiter „großer“ Wissenschaftsthriller und unterhält auf 1.304 Seiten mindestens ebenso gut wie sein Vorgänger. Auch wenn ich für diesen Wälzer knapp fünf Monate gebraucht habe,


hat dies nichts mit Inhalt oder Erzählstil zu tun, sondern viel mehr mit meinem langsamen Lesestil. So ist es als gutes Zeichen zu werten, dass es Tage gab, an denen ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte, besonders zum Schluss hin und das wo ich das Ende von Büchern möglichst lange hinauszögere, weil ich meist nicht bereit bin, einmal lieb gewonnenen Charaktere schnell zu verlassen

Schätzing erzählt in Limit zwei spannende Geschichten, die sich am Ende zu einem großen Ganzen fügen. Das Personal, mit welchem er seinen Thriller bestückt ist üppig und es gibt im Anhang sogar ein Namensverzeichnis.
Es ist das Jahr 2025 und im ersten Handlungsstrang begiebt sich ein Schar illustrer Gäste auf Einladung des Großmagnaten Julian Orleys (ich musste sofort an Richard Branson denken) auf die Reise zum Mond. Zu diesem Zweck hat Orley Enterprises einen Fahrstuhl gebaut, mit dem von einer kleinen Insel am Äquator die Reise bis zu einer orbitalen Raumstation in kürzester Zeit zurückgelegt werden kann. Mit einem Weltraumshuttle und einem lunaren Reisezug geht die Reise weiter und führt letztlich ins Mondhotel Gaia.

Der zweite Handlungsstrang spielt zur gleichen Zeit in China. Der Privatdetektiv Owen Jericho wird beauftragt eine junge Frau (Yoyo) zu suchen, die spurlos untergetaucht und auf der Flucht zu sein scheint. Schnell wird klar, dass sich Yoyo mit einem gefährlichen Gegner angelegt hat. Owen gelingt es zwar Yoyo zu finden, aber ihre Feinde sind nun auch hinter ihm her. In einer spannenden Flucht rund um den halben Globus tun sich die Protagonisten schwer das Rätsel um Motiv und Identität des Gegners zu lösen.

Schließlich wird klar, dass die Ermittlungsarbeiten auf der Erde die Reisegruppe auf den Mond in Lebensgefahr bringen.

Schätzing wechselt virtuos zwischen den Handlungssträngen hin und her, lässt sich aber Zeit die jeweiligen Geschichten zu erzählen und die Charaktere vorzustellen. Kurze Kapitel, von denen jedes an einem anderen Handlungsort spielt wie bei Dan Brown gibt es bei Schätzing nicht, dennoch bleibt der Spannungsbogen erhalten.

Globalisierung, Machtgerangel zwischen Politik und Industrie, Korruption, die Energieproblematik, der Konflikt zwischen chinesischem und US-amerikanischem Wirtschaftssystem, alles Themen, die Schätzing ohne schulmeisterhaft zu wirken anschneidet. Das ist Schätzings Stärke, er verwebt harte Fakten  mit spannender Fiktion zu einem unterhaltsamen und lehrreichen Ganzen.
Schätzings Erzählstil, den ich am Anfang des Romans stilistisch als ein wenig zu großspurig, fast angeberisch empfand, bessert sich entweder im Laufe des Romans oder man gewöhnt sich dran. Die Sprache ist klar, die Fakten werden sehr anschaulich und für jedermann verständlich rübergebracht. Die Figuren sind sehr plastisch gezeichnet, ich hatte sofort ein klares Bild jedes einzelnen Protagonisten vor Augen.
Fazit: Wer sich nicht vom Umfang und den schlechten Bewertungen auf Amazon abschrecken lässt wird von der ersten bis zur letzten Seite sehr gut unterhalten und lernt dabei auch noch was. Wer Der Schwarm mochte oder auch gerne Dan Brown liest, wird Limit mögen.

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2 Gedanken zu „Frank Schätzing – Limit – von Cam

  1. Von Jane Austen zum Mond, Beiträge von Cam haben einen weiten Spannungsbogen, danke dafür. Ich kenne Schätzing nur aus talkshows, habe noch nichts gelesen. Ist wohl ein Fehler, den ich jetzt dank Deiner Schilderung erkenne. Und ich habe eben eine faszinierende Leseprobe auf der eindrucksvollen, tiefschwarzen Website des Autors gefunden http://www.frank-schaetzing.com/#/nav/leseprobep.s. schade, ohne eigenes Posterous kann man Dich nicht als contributor als miniavatar sehen 🙂

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  2. Das Buch hat Gewicht, nämlich 1300 Gramm, die nicht leicht zu halten sind. Das gilt besonders für einen „Bettleser“ wie mich ;=). Trotzdem bin ich nach 2 Tagen bereist auf Seite 147 und werde sicher keine 5 Monate bis zum Ende benötigen. Der Inhalt ist interessant, der Erzählstil weitschweifig, so dass ich stellenweise versucht bin einen Absatz auszulassen. Aber dann komme ich wohl zu schnell ans Ziel. Ich danke für den Tipp.

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