Kazuo Ishiguro – Never let me go

Kazuo Ishiguro: Never let me go  

Deutsche Übersetzung : Barbara Schaden : Alles, was wir geben mussten

 

Johanna. Heute möchte ich über ein Buch berichten, dass mich tief ergriffen hat.

Zunächst etwas über den britischen Schriftsteller Kazuo Ishiguro. Er wurde 1954 in Nagasaki/Japan geboren, aber lebt seit 1960 in England.

Er schreibt ein elegantes Englisch. Weil ich aber wissen wollte, wie bestimmte Situationen auf Deutsch beschrieben würden, habe ich die deutsche Übersetzung danebengelegt.

England, Ende des 20. Jahrhunderts. Die Geschichte fängt damit an, dass Kathy H, eine 31-jährige Frau, über ihre Arbeit plaudert. Sie spricht über Spender, die sie offensichtlich so gut betreut, dass sie diese Tätigkeit schon seit 11 Jahren zur Zufriedenheit ihrer Vorgesetzten erledigt. Aber das Ende ihrer Laufbahn ist in Sicht. Demnächst wird sie selber Spender sein. Und nun blickt sie zurück auf ihre Kindheit und Jugend.

Sie ist aufgewachsen in Hailsham, auf dem ersten Blick ein normales Internat – zunächst denkt man dabei an ein gut und liebevoll geführtes Waisenhaus. Merkwürdig ist, dass alle Kinder nur Vornamen haben, aber keinen Nachnamen, nur einen Großbuchstaben als Unterscheidungsmerkmal.

Kathy ist in Hailsham befreundet gewesen mit Ruth und Tommy und sie erinnert sich an Ruth, wie sie sie betreut hat nach deren 3. Spende.

Nun aber sind Kathies Freunde alle nicht mehr da. Nach der 3. oder spätestens nach der 4. Spende „they have completed“, erzählt sie, (was auf Englisch für mich sehr viel mehr beinhaltet als die deutsche Übersetzung „sie haben abgeschlossen“).  

Als Leser ahnt man schon bald, dass hier etwas ganz Unerhörtes vor sich geht.

Kasuo Ishiguro erzählt nicht linear, sondern in Vor- und Rückblenden, deshalb kann man bald spüren, zu welchem grausamen Zweck sie in Hailsham erzogen werden.

 

Kathy schreibt leichtfüßig über ihre Jugenderlebnisse, über die kindlichen Streitereien mit den Freundinnen und über die Verwirrungen der erwachenden Sexualität. Die künstlerischen Fähigkeiten der Kinder werden vom Personal des Instituts sogar sehr gefördert. Die besten Arbeiten werden außerhalb des Internats aufbewahrt. Den Grund können sie nicht ahnen.

Es kommen sehr selten Fremde nach Hailsham. Es gibt Situationen, wo es Kathy und ihren Freunden  deutlich wird, dass es Menschen vor ihnen graust, ja dass die regelrecht Angst vor ihnen haben. Der Grund ist ihnen aber nicht klar.

Im  Alter von 15 Jahren haben sie dann die schreckliche Wahrheit verinnerlicht, die sie durch Andeutungen und vagen Hinweisen des Personals schon lange ahnten.

 

Sie sind Klone und nur gezüchtet worden um als Ersatzteillager zu dienen.

Die Wissenschaft glaubt nicht, dass diese Wesen eine Seele haben, aber die Leiterin von Hailsham sammelt schon seit Jahren Beweise, dass das doch der Fall sein könnte.

Deshalb hat sie die Kunstwerke, Bilder und Gedichte ihrer Kollegiaten sichergestellt.  

Leider wird die Welt immer schneller immer mehr Organe brauchen.

 Hailsham, wo diese ungeliebten Spenderwesen immerhin eine einigermaßen unbeschwerte Jugend verleben durften, wird aus Kostengründen geschlossen.

Kathy aber bezieht ihre ganze Stärke und Kraft aus der Erinnerung an diese Zeit mit ihren Freunden in Hailsham.

 

Wie Kasuo Ishiguro diese Geschichte entwickelt und die Charaktere innerhalb dieser geschlossenen Horrorwelt differenziert zum Leben erweckt, ist meisterhaft.

Wenn man sich vorstellt, dass diese Vision demnächst im Bereich der wissenschaftlichen Möglichkeiten liegt, kann man den Wert dieses Buches nicht hoch genug einschätzen.

******

Walter hat das Buch 2013 ebenfalls hier in diesem Blog vorgestellt. Das Buch ist wichtig genug, dass man zwei unterschiedliche Herangehensweisen anbietet und ergänzend lesen kann.

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Ein Gedanke zu „Kazuo Ishiguro – Never let me go

  1. Das ist ein unglaubliches Thema, leider vorstellbar. Ishiguro ist auch der Autor von „Was vom Tage übrig blieb“. Den Film mit Emma Thompson und Anthony Hopkins fand ich sehr gut. Danke für die Vorstellung dieses Buches, gleich wieder was für meinen Bücher-Wunschzettel.

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