Niffenegger, Audrey: Die Frau des Zeitreisenden

Dörte. Ich bin Bibliothekarin und schiele immer mal wieder auf Bücher, in denen es um Bücher, Bibliotheken, Bibliothekare oder ähnliches geht. Dass man da über die „Frau des Zeitreisenden“ stolpert, war wohl nur eine Frage der Zeit.


Der Zeitreisende Henry De Tamble ist Bibliothekar und seine erste Bruchlandung aus der Zeit ging in eine Bibliothek. Spätestens da hat mich das Buch gefesselt.

Anfangs ist es verwirrend. Clare Abshire ist 20 als sie den 28jährigen Henry in der Bibliothek kennenlernt und sie sich sofort verlieben. Sie scheinen sich bereits schon ewig zu kennen und dem ist auch so. Den sprunghaften Henry traf sie bereits mit 6 Jahren. Sprunghaft ist Henry, da er unter dem „Chrono-Syndrom“ leidet und dazu neigt, bei Aufregung einfach in Zeit und Raum zu verschwinden, um irgendwo anders zu einer völlig anderen Zeit ohne Sachen am Leib wieder aufzutauchen. Es entwickelt sich eine Liebesgeschichte, die über verschiedene Zeitebenen verläuft. Henry kann in die Vergangheit (die Regel) und die Zukunft (Ausnahmen) reisen, aber er selbst kann die Zeit jedoch nicht beeinflussen und verändern. Er kann nur beobachten und daraus lernen. Daher besitzt er nicht die Möglichkeit, die Dramatik in der Beziehung zu Clare nicht verändern.

Wer jetzt einen Science Fiction-Roman erwartet, wird enttäuscht werden. Das Erstlingswerk von Audrey Niffenegger ist eine die Sinne verwirrende und verschachtelte Liebesgeschichte und spielt mit dem gleichen Charme des „Verwunschenen“, wie es die Bücher von Cecilia Ahern (PS. Ich liebe dich) tun.

Um das Buch zu verstehen, sollte man sich Zeit nehmen. Es benötigt Konzentration und ein gutes Erinnerungsvermögen, um die Sprünge in der Geschichte nachvollziehen zu können. Es passieren Dinge, die erst später angekündigt werden und doch läuft zum Schluss alles auf ein Erlebnis hinaus. Es ist anfangs sehr verwirrend, aber je weiter man in das Buch vordringt, desto liebens- und lesenwerter wird der Roman und es gelingt Niffenegger tatsächlich, den roten Faden der Geschichte immer wieder sichtbar zu machen. Am Schluss war ich begeistert, wenn auch bestimmte Dinge nicht logisch gelöst wurden, so z.B. das Paradox der Begnung von Henrys unterschiedlich alten Ichs, aber darüber kann man hinwegsehen.

Leider weniger gelungen ist die deutsche Übersetzung von Frau Jacobeit. Sie wirkt häufig hart umkämpft, wenig flüssig, manchmal fast stakatohaft wie eine Google-Übersetzung. Das schmälert ein wenig das Lesevergnügen. Doch die Geschichte nimmt einen gefangen und falls es zu anstrengend wird, kann man ja auch die Hollywood-Verfilmung ansehen. Diese ist typisch Hollywood, nett gemacht und sehenswert, lässt aber den immer wieder im Buch durchscheinenen Humor außen vor.

Fazit:
Es hat Spaß gemacht, das Buch zu lesen. Trotz der anfangs verwirrenden Sprünge habe ich schnell hineingefunden und zum Schluss habe ich ein ganzes Wochenende dem Lesen geopfert, um herauszufinden, wie die Geschichte ausgeht.

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4 Gedanken zu „Niffenegger, Audrey: Die Frau des Zeitreisenden

  1. Ob ich auch via Bruchlandung in meiner Bibliothek gelandet bin? Und es erst heute begreife? Herzlichen Dank für Deine schöne Vorstellung dieses Buches. Es wird sofort auf meinen Einkaufszettel wandern. Und willkommen als Contributorin bei unserem blog 🙂

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  2. Schöne Beschreibung des Buches, hat mir Lust gemacht es zu lesen…Auch wenn die Übersetzung vielleicht ein bisschen holzig ist wie so oft.Danke für die Vorstellung…;-))

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