Velma Wallis: Zwei alte Frauen

Untertitel: Eine Legende von Verrat und Tapferkeit 

Ann-Theres. Das kleine Büchlein aus dem Piper-Verlag habe ich geschenkt bekommen und schnell war es zwischendurch gelesen, zumal es sehr ergreifend geschrieben ist…

Es erzählt eine Sage eines Nomadenstammes im hohen Norden von Alaska:
Man weiss ja, dass die Indianerstämme in den schlimmen Wintern der vergangenen Zeiten oft in Hungersnöte gerieten, wenn sie nicht genügend Vorräte für den Winter anlegen konnten. Dann ließ man die Alten und Kranken zurück, um diese nicht auch noch durchbringen zu müssen…
In der Geschichte geschieht es auch so – zwei alte Frauen, die zuvor schon viele Jahre nur noch geklagt und gejammert hatten und sich von den jungen Leuten bedienen ließen – wurden von ihrem Stamm zurückgelassen. Sie waren ganz verwirrt von dem, was ihnen geschah, obschon sie wußten, dass es anderen alten Leuten in der Vergangenheit auch schon so ergangen war.
Beide waren eigentlich starke Menschen in ihrem jüngeren Leben gewesen, aber sie hatten sich darauf eingerichtet, dass sie genug in ihrem Leben getan hätten und so waren sie zur Last geworden. Der Enkelsohn aber hatte ihnen aus Mitleid sein Steinbeil zurückgelassen.
Von Hunger und Kälte angetrieben besinnen sie sich darauf, was sie früher alles konnten und entwickeln einen starken Überlebenswillen. Mit den Hilfsmitteln, die ihnen zur Verfügung stehen fangen sie kleine Tiere und sammeln Holz. Ein Anfang… Es wird ihnen schwer, die Knochen tun weh, aber sie empfinden eine tiefe Zufriedenheit dabei. Sie erinnern sich an einen Platz an einem Fluss, in dem es immer Fische gab und auch genügend Wild. Mit Schneeschuhen und einem provisorischen Schlitten für ihre Habseligkeiten wandern sie den langen Weg durch die Schneewildnis und kommen wirklich dort an. Sie legen sich große Holzvorräte an, fangen Wild in Schlingen und fangen Fische auf Vorrat, die sie räuchern. Sie fertigen aus den Fellen warme Kleidung, mehr als sie selbst brauchen können. Durch das Zusammenleben und ihre gegenseitigen  Erzählungen kommen sie einander auch näher und die Achtung voreinander steigt. So planen und organisieren sie sich gemeinsam ein Leben in völliger Unabhängigkeit.
Der Stamm, der sie verlassen hat, kehrt ausgehungert zum alten Lagerplatz zurück, wo sie die beiden Alten zurückgelassen hatten. Den Häuptling quält schon lange sein Gewissen und er glaubt, dass er für sein Handeln bestraft wird, indem sein Stamm hungern muss. Als sie keine Spuren der beiden finden, sendet er Kundschafter aus. Diese suchen lange die Gegend ab, bis sie irgendwann die Spuren des Holzschlages finden. Als sie sich den beiden Frauen nähern, sind diese sehr mißtrauisch. Die Krieger zeigen ihre Freude, dass die beiden noch leben und erzählen, dass der Häuptling nach ihnen suchen ließ. Sie erzählen auch von der Not des Stammes und wie ausgezehrt die Menschen dort sind.
Die beiden Frauen treffen aus Vorsicht mit den Kriegern ein Abkommen… Niemand darf sich ihnen nähern, dafür übergeben sie für den Stamm ausreichend Lebensmittel, damit diese wieder zu Kräften kommen. Sie glauben nämlich, dass man ihnen sonst ihre Vorräte rauben würde.
Der Häuptling ist erschüttert, dass die beiden wirklich überlebt haben, aber auch voller Bewunderung, wie sie das geschafft haben. Der Stamm hat nun wieder ausreichend zu essen, die Krieger kommen bald wieder zu Kräften, um wieder selber für Nahrung sorgen zu können und alle sprechen nur mit Hochachtung von den beiden alten Frauen.
Diese sind sehr zufrieden mit ihrem Leben, doch die eine sehnt sich danach die Tochter und den Enkelsohn wiederzusehen. Eines Tages kommt der Enkel zu Besuch und wird gefragt, warum die Tochter denn nicht auch kommt. Er berichtet, dass sie sich schämt, weil sie die beiden Alten zurückgelassen haben und sie oft weint, weil sie Sehnsucht nach ihrer Mutter hat. Froh berichtet er anschließend seiner Mutter, dass sie willkommen ist und so kommt es zu einer rührenden Versöhnung.
Die beiden Alten aber haben sich die Hochachtung des ganzen Stammes erworben und leben noch lange zufrieden, bis ihre Zeit gekommen ist…
Was können wir aus dieser Geschichte lernen???
Ich denke, wenn wir auch im Alter unser Leben in die eigene Hand nehmen, sind wir glücklicher und zufriedener, als wenn wir uns durch andere verwöhnen lassen. Und wir erwerben uns die Hochachtung der Jüngeren, die zu uns aufschauen und sich daran ein Beispiel nehmen können.
Das sollten wir sicherlich nicht vergessen…
Der Spruch – ich habe genug im Leben getan, jetzt sollen die anderen einmal etwas für mich tun,geht nach hinten los, denn wir belasten unsere Umgebung durch diesen Anspruch und vertreibendiejenigen, die wir lieben…
 
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